
Forschungsprofil
Management Support Systems (MSS) / Wissensmanagement
Das integrative Forschungsgebiet der "Management Support Systeme (MSS)/Wissensmanagement" zielt auf den kombinierten Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnologien zur Unterstützung aller Management-Ebenen. Im Vordergrund steht dabei die als notwendig erkannte multidimensionale Integration von komplementären, heterogenen Wissensdomänen, Methoden und Techniken sowie kooperativen Anwendergruppen. Der Anspruch einer vollständigen Systemintegration hat sich aus Gründen hoher Dynamik, Rekombination und Interaktivität (lernende Organisation) vor allem unter Wartungsgesichtspunkten als wirtschaftlich nicht machbar erwiesen. Der aktuelle Erkenntnisstand favorisiert eine Integration nur noch auf der Datenebene (Data Warehouse). Auf der Anwendungsebene stehen kooperative Ansätze der Modell-/Methodenkopplung (Agentensysteme) und der ereignisgesteuerten, mehrstufig automatisierten, modellbasierten Entscheidungsunterstützung (Decision Support) im Vordergrund. Auch im Data Warehouse-Bereich setzen sich zunehmend Dezentralisierungs- und Kooperations-Tendenzen durch, der Integrationsanspruch verlagert sich auf die separierte Metadatenebene, die zudem für die Anwender (inter)aktiv und prozessorientiert ausgestaltet wird (Knowledge Management).
Diese Entwicklungen werden sowohl mit grundlagen- als auch anwendungsorientierten Forschungsaktivitäten akzeleriert. Als Mitbegründer und Sprecher der Fachgruppe 5.8 MSS der Gesellschaft für Informatik wurden einschlägige Workshops und Fachtagungen (mit)organisiert . Im Bereich der Grundlagenforschung stehen die Weiterentwicklung zu aktiven Data Warehouses sowie Konzeption und Implementierung integrativer, interaktiver Metadata Warehouses zur dynamischen Verknüpfung quantitativer und qualitativer Informationsquellen als operative Basis für ein praktikables Knowledge Management und generische Infrastruktur für kooperatives Problemlösen in lernenden Organisationen im Vordergrund (intelligente Assistenzsysteme).
Alle diese theoretischen Ansätze werden in assoziierten Praxisprojekten anwendungsorientiert (weiter)entwickelt und erprobt. Herausragendes Beispiel ist der im Zentrum virtUOS der Universität geschaffene Schwerpunktbereich Informationsmanagement, der aus dem Referenzprojekt MIS für Hochschulen, gefördert vom Stifterverband für die deutsche Wissenschaft, hervorgegangen ist (siehe Hochschulmanagement).
(Ansprechpartner: Prof. Dr. Bodo Rieger)
Hochschulmanagement
In diesem anwendungsoprientierten Forschungsschwerpunkt werden innovative Methoden der Informations- und Kommunikationstechnik, insb. des Management Support und Wissensmanagements, zur effektiveren Neugestaltung universitärer Kernprozesse in Forschung, Lehre und Hochschulentwicklung angewandt. Im Vordergrund stehen entscheidungsunterstützende Funktionen für alle Akteure in Hochschulen, von Präsidium und Verwaltung über Dozenten bis hin zu Studierenden. Insbesondere Konsultations- und Assistenzfunktionen für Studierende für ein optimales, individuelles Customizing ihres Studiums stehen im Vordergrund. Referenzsysteme sind das seit 2005 an der Universität Osnabrück entwickelte und betriebene, Data Warehouse-gestützte Online-Prüfungs- Informations- und Management-System (OPIuM) sowie das Balanced-Scorecard-orientierte, universitäre Management-Informations-System (MIS).
(Ansprechpartner: Prof. Dr. Bodo Rieger)
Wirtschaftskybernetik
Unternehmerisches Handeln muss nicht erst seit der zunehmenden Globalisierung von (Welt-) Wirtschaft und Gesellschaft(en) als permanentes, dynamisches Wechselspiel von sozio-technischen Systemen gesehen werden. Das rechtzeitige Erkennen kritischer Entwicklungen exogener Einflussfaktoren sowie der (Folge-)Wirkungen eigener Entscheidungen erfordert angesichts der Komplexität vielfältig vermaschter Regelkreise mit vielfach exponentiell gestalteten Wirkungsverzögerungen eine rechnerbasierte, modellmäßige Unterstützung strategischer Planungsprozesse. Der Forschungsschwerpunkt befasst sich mit der Anwendung der durch die Studien des „Club of Rome“ bekannt gewordenen Methode „System Dynamics“ von J.W. Forrester auf betriebswirtschaftliche Fragestellungen im volkswirtschaftlichen Rahmen. Beispiele reichen von internen Modellen der Personalentwicklung über Produkteinführungen (Lebenszyklen) oder Wechsel der Fertigungstechnologie bis zu Folgewirkungen staatlicher Rahmenbedingungen (Arbeitskosten, Infrastruktur, etc.). Aktuellstes Anwendungsbeispiel sind modellgestützte Analysen der Systemwirkungen von formelbasierter Mittelallokation bzw. Studienbeiträgen im Hochschulwesen. Neben konkreten Modellanwendungen wird der Hauptnutzen der Aktivitäten im Bereich Wirtschaftskybernetik in der konsequenten Schulung des intuitiven Erkennens und Verstehens komplexer Systeme gesehen.
(Ansprechpartner: Prof. Dr. Bodo Rieger)